10 häufige Massage Fehler, die du strikt vermeiden solltest

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Michael Filipp Termin Massage
Ein Blog­beitrag von Michael Filipp

Als Massagetherapeuten lieben wir unseren Beruf und genießen es, anderen Menschen zu mehr Entspannung und Wohlbefinden verhelfen zu können. Doch es gibt einige Dinge, die wir uns vor dem Start unserer Selbstständigkeit mit einer eigenen Massagepraxis etwas anders vorgestellt haben und ärgerliche Fehler, die wir im Nachhinein lieber vermieden hätten.

Kurz vorweg: Nur weil du gerade erst als Massagetherapeut startest, heißt das nicht, dass deine Massagen nicht gut sein können. Es gibt zahlreiche Anfänger in diesem Bereich, die atembe­rau­bende Fähigkeiten mitbringen und ein echtes Gespür für den menschlichen Körper besitzen. Es gibt aber auch viele Masseure mit jahrelanger Erfahrung, deren Massagen viele Wünsche offen lassen.

Jeder hat seinen eigenen individuellen Massagestil. Allerdings gibt es ein paar Dinge, die fast jeder Massagetherapeut – vor allem am Anfang seiner Karriere – falsch macht. In diesem Beitrag erfährst du, was die 10 häufigsten Massage Fehler sind, wie du sie verhindern kannst, dadurch mehr Stammkundschaft aufbaust und erfolgreicher in deiner Selbstständigkeit wirst.

1. Zu schnell zu tief

Dein Kunde liegt auf der Massageliege, du beginnst mit der Massage und bist total motiviert, ihm weiterzuhelfen. Schnell hast du seine Problemzonen identifiziert und die ersten Verspannungen oder Muskelknoten gefunden. Es ist verständlich, dass du dies nun in Ordnung bringen willst. Ein häufiger Fehler ist es jedoch, sich ab sofort nur noch auf genau diese Stellen zu fokussieren.

Dieser Ansatz ist nicht nur nicht hilfreich, er kann deinem Kunden sogar schaden. Wenn du deine gesamte Energie dafür einsetzt, die betroffenen Muskeln zu „bekämpfen“, dann kannst du dir sicher sein, der Muskel wird zurückschlagen. Anstatt zur Entspannung beizutragen, erreichst du das genaue Gegenteil davon. Der Muskel verschließt sich und die Spannungen werden sogar verstärkt.

Unser Tipp: Wärme bei jeder Massage die verschiedenen Körperzonen ca. 5-10 Minuten mit langen Streichungen auf, bevor du dich problematischen Verspannungen und verklebten Faszien widmest. So lassen sich die Muskeln besser bearbeiten und die Massage tut das, was sie soll: entspannen.

Stelle sicher, dass du dich immer vom Allgemeinen ins Spezifische vorarbeitest. Bedeutet: Auch wenn du einen Triggerpunkt gefunden hast, solltest du dich nicht sofort direkt auf ihn konzen­trier­en. Stattdessen solltest du die umliegende Zone bearbeiten, um sie langsam auf die folgende Erhöhung von Druck und Intensität auf die spezifischen Punkte vorzubereiten.

2. Du benutzt zu viel Daumen

Anders als viele glauben, sind die Daumen kein gutes Werkzeug zum Massieren. Selbstredend kommen die Daumen während einer Massage auf natürliche Weise zum Einsatz und dadurch erscheinen sie prädestiniert dafür zu sein, auf einen spezifischen Bereich viel Druck auszuüben.

In Wahrheit ist der häufige und intensive Einsatz der Daumen gleichzeitig der schnellste Weg, deine Karriere als Massagetherapeut zu beenden, denn die Gelenke in den Fingern sind nicht dafür gemacht, starkem Druck über längeren Zeitraum standzuhalten. Tust du es dennoch, hat dies häufig anhaltende Schmerzen und ein mögliches Taubheitsgefühl zur Folge.

Unser Tipp: Anstelle deiner Daumen solltest du lieber deine Fingerknöchel, Unterarme und Ellbogen verwenden, um starken Druck auszuüben. In unserer Massage Ausbildung kannst du lernen, wie du diese Werkzeuge im Rahmen einer klassischen Ganzkörpermassage richtig einsetzt.

3. Keine Kommunikation mit dem Kunden

Vielleicht kennst du das: Der Kunde kommt zu dir, schildert seine aktuelle Situation und sagt dir genau, was er haben möchte. Doch genau hier ist es wichtig, sich professionell zu verhalten. Und das bedeutet nicht, die Vorgaben des Kunden 1:1 umzusetzen, sondern ihn mit deiner vorhandenen Expertise über den idealen Lösungsweg aufzuklären.

Das was Kunden denken, was sie brauchen und das, was sie wirklich brauchen, sind oft zwei völlig unterschiedliche Dinge.

Als Experte ist es deine Aufgabe, die Erwartungshaltung deines Kunden zu erkennen und sie mit der Realität abzugleichen. Möchte dein Kunde beispielsweise, dass du dich voll auf seine einseitige Schulterver­spannung konzentrierst, musst du ihn darauf hinweisen, dass es sinnvoller wäre, zunächst den gesamten Rücken aufzuwärmen und vom Allgemeinen ins Spezifische zu gehen.

Unser Tipp: Um eventuelle Missverständnisse und Enttäuschungen zu vermeiden, solltest du mit jedem neuen Massagekunden vorab ein ausführliches Gespräch führen, in dem ihr wichtige Fragen zu seinem Status Quo klärt und du ihm deine Vorgehensweise aufzeigst.

4. Unruhige Atmosphäre

Dein Massageraum entscheidet darüber, ob sich ein Kunde bei dir wohlfühlt oder nicht. Doch du solltest nicht nur darauf achten, dass dein Raum einladend, entspannend und gemütlich wirkt, sondern solltest vor allem mögliche Störfaktoren eliminieren. Dazu zählen unter anderem:

  • Klingelndes Telefon
  • Klingeln an der Türe
  • Laute Nachbarn
  • Offenes Fenster (Lärm und Luftzug)
  • Störende Geräusche von Untermietern oder Mitbewohnern
  • Zu warme oder zu kalte Temperaturen
  • Trockene Heizungsluft im Winter
  • Zu helle Beleuchtung
  • Unangenehme Gerüche

Wichtig: Durch ein schlechtes Ambiente vergraulst du deine Kunden und sorgst im schlimmsten Fall sogar für negative Mundpropaganda. In unserem Beitrag, wie du deinen Massageraum einrichten kannst, erfährst du, wie sich deine Kunden bei dir rundum wohlfühlen und deine Praxis lieben werden.

5. Zu kurze Massagedauer

Um die ersten Massagekunden zu gewinnen, bieten viele Massagetherapeuten zu Beginn ihrer Karriere kürzere, aber dafür günstigere Massagen an. Oft werden diese Sitzungen als „Powermassage“ oder „Blitzmassage“ bezeichnet und dauern zwischen 15-30 Minuten.

Wenn man jedoch bedenkt, dass eine echte Entspannung erst nach einiger Zeit einsetzt und der Körper sich mit all seinen Sinnen zunächst eine Weile an die Umgebung und die Berührungen des Therapeuten gewöhnen muss, reicht diese kurze Sitzungsdauer leider nicht aus.

Sämtliche Vorteile einer klassischen Massage können sich erst nach einer gewissen Zeit einstellen. Vor allem hartnäckige Verspannungen und Verklebungen der Faszien lassen sich in unter 45 Minuten nur sehr selten ausreichend bearbeiten, um die gewünschten Effekte zu erzielen.

Unser Tipp: Für eine umfassende Ganzkörpermassage solltest du mindestens 60 Minuten einplanen, während eine effektive Rückenmassage mindestens 45 Minuten in Anspruch nehmen sollte.

6. Du redest zu viel

Wie bereits erwähnt, ist eine gute Kommunikation mit dem Kunden sehr wichtig, um sich an seine indi­viduellen Bedürfnisse anpassen zu können. Allerdings sollten sich die Gespräche vor allem auf die Erstanamnese vor der Massage beschränken. Während der Massage solltest du jedoch lediglich einmal nachfragen, ob der angewandte Druck und die Intensität für ihn angenehm sind.

Beachte, dass jede angefangene Unterhaltung den Entspannungsprozess deines Kunden unter­bricht und dies häufig als störend empfunden wird. Natürlich gibt es auch Kunden, die gerne und viel sprechen möchten. Es ist in Ordnung mit ihnen Gespräche zu führen, wenn sie eine Konver­sation initiieren. Vermeide es jedoch, selbst immer wieder Gespräche zu beginnen.

Unser Tipp: Achte auf dein Gegenüber und stelle dich auf sein Gesprächsverhalten ein. Im Zweifel gilt, weniger ist mehr. Warte deshalb lieber ab und lass deinen Kunden die Gespräche starten.

Auch nach der Massage ist Vorsicht geboten. Eine gute Massage wirkt tiefenentspannend und schickt deinen Kunden in eine Art Trance. In diesem Zustand ist sein Verstand still und es kann überfordernd sein, wenn du in dieser Phase mit weiteren Informationen oder Fragen auf ihn einwirkst. Verhalte dich auch in diesem Fall zunächst reaktiv, um den Kunden nicht zu „nerven“.

7. Mangelnde Hygiene

Gerade in der heutigen Zeit spielt Hygiene eine sehr wichtige Rolle und ist für viele Massagekunden ein wichtiges Wohlfühlkriterium. Ein aufgeräumter und geputzter Raum, eine desinfizierte Massageliege und Lagerungshilfen sowie saubere Arbeitskleidung und Handtücher gehören genauso zu den Mindestanforderungen wie die körperliche Hygiene des Massagetherapeuten.

Was du unbedingt vermeiden solltest: 

  • Unangenehme Gerüche (z.B. Schweiß, Essen, Rauch, Mundgeruch)
  • Übermäßig Parfüm oder andere stark duftende Pflegeprodukte
  • Immer die selben Klamotten tragen
  • Rückstände auf den Händen
  • Permanentes Husten oder Schnäuzen

Unser Tipp: Investiere Zeit in dein äußeres Erscheinungsbild und achte darauf, dass deine Praxis vor jeder Massage den höchsten Hygiene-Ansprüchen gerecht wird. Eine Checkliste kann dabei helfen.

8. Falsche Liegeposition

Eine professionelle Massageliege mit einer höhenverstellbaren Gesichtswiege gehört zur Standard-Ausstattung jeder guten Massagepraxis. Und auch Lagerungshilfen für die Arme, Beine und den Lendenwirbelbereich sind essenziell, um deinen Kunden einen optimalen Komfort zu bieten.

Doch alleine das Vorhandensein dieser Hilfsmittel reicht noch lange nicht aus. Viele Massagetherapeuten beginnen viel zu schnell mit ihrer Massage und vergessen leider, vorher sicherzustellen, dass ihr Kunde eine bequeme Liegeposition eingenommen hat.

Faktoren, die den Komfort beeinträchtigen können:

  • Keine Gesichtswiege oder fehlende Einstellmöglichkeiten
  • Massageliege zu hart, zu kurz oder zu schmal
  • Fehlende Lagerungshilfen (Polster und Kissen)
  • Kratzige Handtücher

Unser Tipp: Investiere in hochwertiges Equipment und biete deinem Kunden aktive Unterstützung beim Einnehmen seiner perfekten Liegeposition an. Diese 1-2 Minuten lohnen sich für euch beide.

9. Mit kalten Händen massieren

Die Berührungen von kalten Händen können sich äußerst unangenehm anfühlen und das gesamte Massageerlebnis zerstören. Viele Massagetherapeuten sind sich dessen nicht bewusst, merken nicht, dass ihre Hände keine angenehme Temperatur haben und vergraulen damit ihre Kunden.

Dabei ist es eigentlich ganz einfach, denn durch die Verwendung von aufgewärmten Massageöl kannst du genauso deine Hände auf eine gute Betriebstemperatur bringen. Verreibe das Öl sanft in deinen Händen und du wirst schnell merken, wie sie sich auch erwärmen.

Hinweis: Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie du kalte Hände beim Massieren verhinderst, dann schau dir den Beitrag über unsere 5 Methoden aus der Praxis zum Massageöl erwärmen an.

10. Wenig Abwechslung

Gerade als Anfänger im Bereich Massage ist zunächst alles neu. Jeder Handgriff muss erstmal gelernt und einige Male praktiziert werden, um sich wirklich sicher zu fühlen. Verständlich, dass sich da viele Massagetherapeuten am Anfang auf einige wenige Griffe und Techniken fokussieren.

Doch aus Kundensicht kann diese Vorgehensweise unter Umständen als langweilig wahrgenommen werden. Irgendetwas fehlt einfach und so richtig überzeugend ist die Massage nicht. Deshalb solltest du unbedingt nach und nach weitere Massagegriffe und Techniken mit den Unterarmen, Fingerknöchel und Ellbogen ergänzen, um deinem Kunden ein umfassenderes Erlebnis zu bieten.

Unser Tipp: Wenn du lernen möchtest, wie du eine abwechslungsreiche Wellnessmassage korrekt ausführst, dann informiere dich über unsere Massage Ausbildung und prüfe die freien Termine.

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